Mit nur 20 Jahren zählt Laura Schneebichler bereits zu den erfolgreichsten Nachwuchskräften im Einzelhandel. Die Neukirchnerin arbeitet im Traditionsbetrieb ihrer Großeltern in Mattighofen, sammelt Medaillen bei Berufsmeisterschaften und zeigt, warum der Handel weit mehr ist als ein unterschätzter Lehrberuf.

NEUKIRCHEN, MATTIGHOFEN. Erst Ende November hat Laura Schneebichler ihr Können bei den Austrian Skills in Salzburg wieder unter Beweis gestellt. Die 20-jährige Einzelhandelskauffrau arbeitet bei Trachten Gypser, dem Geschäft ihrer Großeltern, und holte bereits eine Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in China. Im Interview spricht sie über ihren Werdegang, die Bedeutung von Mode und warum es wichtig ist, seinen eigenen Weg zu gehen.

Im World Skills Bewerb in China galt es für Laura, anspruchsvolle Aufgaben zu meistern.  | Foto: World Skills
Im World Skills Bewerb in China galt es für Laura, anspruchsvolle Aufgaben zu meistern.Foto: World Skillshochgeladen von Anja Kern

Du hast dein Können im Einzelhandel bereits mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wie hat dein Weg in den Handel begonnen?
Schneebichler: Schon als Kind war ich gerne bei meinen Großeltern im Geschäft oder habe im Kleiderkasten meiner Oma gewühlt. Ich wusste immer: Das will ich auch einmal machen. Ich war gut in der Schule und habe nach der Hauptschule mit der HLW begonnen, aber nach einem Jahr aufgehört und die Lehre bei Fussl gestartet. Viele haben mir geraten, abzuwarten und zuerst die Matura zu machen, aber für mich war das der richtige Schritt. Der Einzelhandel wird leider oft unterschätzt, dabei haben wir in Österreich tolle Lehrlingsprogramme und viele Entwicklungsmöglichkeiten.

Was bedeutet Mode für dich persönlich?
Bei mir dreht sich schon beim Aufstehen alles darum, was ich heute anziehe – Farbe, Stil, Kombination. Kleidung ist mehr als Zierde, sie kommuniziert viel über ihren Träger. Besonders die Tracht ist für mich ein Lebensgefühl, fast wie Kunst. Sie ist vielseitiger als reguläre Mode. Gerade weil man sie oft etwas anpassen muss, vermittelt sie Identität und Selbstbewusstsein.

Foto: Eva Wöckl
Foto: Eva Wöcklhochgeladen von Anja Kern

Welchen Anteil hat eine Verkäuferin am erfolgreichen Einkauf?
Einen sehr großen. Wir zeigen Trends, geben Stylingtipps und haben ein Auge für das Gesamtbild. Am schönsten ist es, wenn Kunden zufrieden sind mit ihrem Einkauf und wiederkommen. Es bereitet mir Freude, andere glücklich zu machen. Am herausforderndsten ist es, immer den richtigen Ton zu treffen – etwa wenn jemand für ein Begräbnis einkauft. Da muss man besonders sensibel sein.

Man ist also auch ein bisschen Gedankenleser?
Ein bisschen schon. Man muss einschätzen, wie ein Kunde eingestellt ist und wie viel er probieren möchte. Die große Kunst eines Verkäufers ist es, die Größen richtig einzuschätzen – das habe ich von meinem Opa gelernt. Männer wollen oft nur ein oder zwei Teile probieren. Beim dritten Teil hat man sie meist verloren. Wenn man das richtig einschätzt, wissen die Leute: Die kennt sich aus.

Woher kommt dieses Gespür für Menschen und Situationen? Wer hat dich auf deinem Weg besonders geprägt?
Vor allem meine Oma. Sie kleidet sich immer chic und ausgefallen. Von ihr habe ich gelernt, authentisch und freundlich zu sein. Und auch, dass man sich etwas zutrauen muss, um Erfolg zu haben.

Oma Annelise Gypser (links) weckte bei Laura Schneebichler schon früh die Begeisterung für Mode und den Einzelhandel. | Foto: Eva Wöckl
Oma Annelise Gypser (links) weckte bei Laura Schneebichler schon früh die Begeisterung für Mode und den Einzelhandel.Foto: Eva Wöcklhochgeladen von Anja Kern

Welche Ziele hast du für die Zukunft?
Ich möchte in den nächsten zwei bis drei Jahren das Geschäft meiner Großeltern übernehmen. Sie sind zwar schon in Pension, führen es aber aktuell noch weiter. In dieser Zeit möchte ich die Buchhaltung besser kennenlernen und versuchen, neue Zielgruppen anzusprechen. Ziele sind wichtig und ich halte mir immer den Satz vor Augen: „Komfort ist der Feind des Erfolgs.“

Hilft dir diese Einstellung auch bei deinen Bewerben?
Auf alle Fälle. Ich hatte großen Respekt vor der Weltmeisterschaft in China. Das war eine große Herausforderung und gleichzeitig ein Abenteuer, weil ich alleine mit den WK-Experten hingeflogen bin. Beim Bewerb gab es mehrere Aufgaben: Zuerst Visual Merchandising, also den Verkaufsraum zu dekorieren. Danach ein Verkaufsgespräch mit Zusatzverkauf, bei dem man von einer zweiten Person unterbrochen wird. Und schließlich ein Reklamationsgespräch mit Kunden, die persönliche Probleme mitbringen. Man wächst an solchen Herausforderungen über sich hinaus. Und die schwierigen Bewerbe sind für mich eine Bestätigung, dass dieser Beruf Anerkennung verdient.

Foto: Laura Schneebichler
Foto: Laura Schneebichlerhochgeladen von Anja Kern

Wie gehst du generell mit schwierigen Situationen um?
Je unfreundlicher jemand ist, desto freundlicher werde ich. Das bringt Menschen zum Nachdenken. Natürlich muss ich mich als junge Verkäuferin manchmal beweisen – manche Kunden denken, das junge Mädl hat ja gar keine Lebenserfahrung. Aber wenn ich zeige, wie man sich in jedem Typ, jedem Alter und mit jeder Figur richtig kleidet, merken sie schnell: „Die kann wirklich was.“

Ein Verkaufstalent mit klaren Zielen: Laura Schneebichler weiß, wohin ihr Weg führen soll.
Für Laura Schneebichler steht Tracht für Identität, Selbstbewusstsein und Tradition. | Foto: MeinBezirk/Anja Kern
Im World Skills Bewerb in China galt es für Laura, anspruchsvolle Aufgaben zu meistern.  | Foto: World Skills
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